Geschwister\Schreibe
ASTRAMADRE
Weihnachtsabend, eine alleinstehende Frau von ungefähr 60 Jahren schmückt in Erwartung ihrer Tochter und Enkel den Weihnachtsbaum. Zweimal klingelt es an der Haustür. Zwei wildfemde Personen, ein beflissener Mann und eine störrische Alte, drängen nacheinander in die Weihnachtsstube. Sie behaupten, Familienmitglieder zu sein, Bruder-Sohn und alte Mutter, ausgerissen aus dem Altersheim. Tiefe Familienkonflikte flammen auf, es kommt zu einer Gerichtssituation, deren Gegenstand im Wesentlichen ein Mutter-Tochter-Konflikt ist. Doch auch der Mann wird in das Spiel von Anklage und Verteidigung mit wechselnden Positionen und Koalitionen hineingezogen. Es gibt keine Lösung. „Jetzt soll ich auch noch die Richterin spielen,“ sagt die Alte. „Nein, nicht mit mir. Mag jede und jeder sich selber richten. Ich hoffe auf eine Epidemie der Freisprüche. Ach, bin ich müde. Die Müdigkeit der Welt ist nicht so müde, wie ich es bin, Kinder. (es klingelt, erst kurz, dann stürmisch, alle schauen sich betroffen an) „Die Verhandlung ist aufgehoben, der Prozess wird vertagt!“ lautet der letzte Satz.
Für den Regisseur Arnim Halter ist „Astramadre“ ein groteskes Stück in der Nachfolge von Samuel Beckett, mit Einflüssen von Eugène Ionesco und Edgar Allan Poe. „Eine grosszügige Sprache, sehr literarisch in dem Sinn, dass verschiedenste Deutungen möglich sind.“ Die Autorin spiele auf Geschlechter-, Feminismus- und Generationendebatten an, aber voller Witz und skurrilem Humor.